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Arbeits- und Wohnschiff MERCATOR Projekt 412

Der 1976 in Dienst gestellte Vermessungskomplex mit dem Vermessungsschiff CARL FR. GAUSS Projekt 136, der Vermessungsbarkasse GAUSS-I und dem Vermessungsboot GAUSS –II war für die Durchführung von hydrografischen Arbeiten im offenen Seegebiet konzipiert. Die bisher erzielten Ergebnisse in der praktischen Arbeit waren für den SHD sehr zufriedenstellend.
 
1987 erging eine Aufgabenstellung des Seehydrograpfischen Dienstes an die Yachtwerft Berlin, die einen ähnlichen Vermessungskomplex zum Einsatz im Haff und in den Boddengewässern beinhaltet. Er sollte aus einem Arbeits- und Wohnschiff, einer modifizierte Barkasse  Projekt 407 und einem modifizierten Rettungs- und Sicherungsboot RuSB bestehen. Wegen fehlender Entwicklungs- und Baukapazität lehnte die Yachtwerft Berlin die bearbeitung aber ab.
Eine neue reduzierte Aufgabenstellung beschränkte sich auf die Herstellung eines Arbeits- und Wohnschiffes.
Die Zweckbestimmung sah vor:
          Das Arbeits- und Wohnschiff (AWS) dient als schwimmender Stützpunkt zur Sicherstellung von Vermessungsaufgaben für den SHD 
          der DDR.
          Zu diesem Zweck muss an Bord des AWS die Auswertung von Messungen und die Unterbringungen der gesamten Besatzung der        
          Vermessungseinheit möglich sein. Außerdem ist die Versorgung und die Möglichkeit kleinerer Reparaturen für die Vermessungs-
          barkasse und ein Vermessungsboot zu gewährleisten.
          Die Sicherstellung der Vermessungsaufgaben erfolgt vorzugsweise in Häfen, zeitweilig auf nicht eingerichteten Liegeplätzen im Haff- 
          und Boddengebiet.
          Die Verlegung der Vermessungseinheit muss selbständig ohne fremde Hilfe unter Nutzung der Vermessungsbarkasse als Schleppboot

    oder eines Seezeichenkontrollbootes SK-64 möglich sein.

Dieses Fahrzeug wurde in der Yachtwerft Berlin, Betriebsteil Eisenhüttenstadt, als Projekt 412 auf der Grundlage des für die Binnenwasser- straßenämter der DDR entwickelten Schubwohnschiffes SWS 16/13 entwickelt.
Da der Bau erst für 1983 in den Plan aufgenommen wurde entstand eine Lücke im Entwicklungsablauf, so dass das Schiff erst im November 1983 in Dienst gestellt werden konnte. Es erhielt den Namen MERCATOR nach dem bedeutenden Geografen und Kartografen des 16. Jahr- hunderts (1512-1594).   

 

Das Arbeits- und Wohnschiff MERCATOR Projekt 412 arbeitete gemeinsam mit der bereits 1981 in Dienst gestellte Barkasse BESSEL als Vermessungseinheit an der Vermessung und Verpeilung der inneren Gewässer. Dazu war es mit einem Vermessungsauswerteraum und einer Werkstatt ausgerüstet. Eine schiffsbauliche Besonderheit war die am Heck angeordnete Aufschleppe mit Seilwinde für das zum Schiff gehöhrende Vermessungsboot.
 
Zum Zeitpunkt der Auflösung der Volksmarine befand sich das Arbeits- und Wohnschiff MERCATOR Projekt 412 noch im Einsatz beim See- hydrografischen Dienst. Es wurde vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie übernommen und arbeitete unter seinem Namen in seinem bisherigen Aufgabenbereich weiter.

 

Taktisch technische Daten
 
DN(t) Lüa(m) Büa(m) Tg(m)
138 37,13 5,43 0,83
Antrieb Vmax(kn) Besatzung Bewaffnung
ohne ----- 9 (+18) keine
  
Lebensakte
 
Projekt-/Bau-Nr. Name in Dienst außer Dienst
412 MERCATOR 29.11.1983 2002  siehe Artikel BSH
  
Quelle: Schiffe und Boote der Volksmarine der DDR von Manfred Röseberg
  
Hier noch eine Pressemitteilung des BSH:
  

16. November 2002

Seevermessung: BSH stellt Vermessungseinheit "Mercator"/"Bessel" außer Dienst

  
Nach 18 Jahren im Einsatz für die Seevermessung hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) die Vermessungseinheit "Mercator"/"Bessel" außer Dienst gestellt. Der Reparatur- und Wartungsaufwand ist zu hoch, um die Einheit länger einzusetzen. Sie besteht aus dem 37 m langen Arbeits- und Wohnschiff "Mercator" und der dazugehörigen 14 m langen Vermessungsbarkasse "Bessel", die 1983 für den Seehydrographischen Dienst der DDR bei der Yachtwerft Berlin in Eisenhüttenstadt gebaut und nach der Wiedervereinigung in die BSH-Flotte übernommen wurden.
"Mercator"/"Bessel" war speziell auf die Vermessung in den Bodden, Haffs und anderen küstennahen Gewässern ausgerichtet, eine wichtige Aufgabe, die nur von kleineren, flachgehenden Schiffen wahrgenommen werden kann. Nach der Wiedervereinigung wurde sie technisch aufgerüstet und wesentlich modernisiert und war an der deutschen Ostseeküste das erste Fahrzeug, das mit Hilfe von Satellitentechnik (DGPS) vermessen hat. Eine beachtliche Statistik kann sich sehen lassen:
"Mercator"/"Bessel" hat während ihres Einsatzes in 49 Häfen festgemacht und dabei 3355 sm im Schlepp zurückgelegt. Die "Bessel" hat ca. 54500 sm (über 100 000 km) Lotlinien gemessen und über mehr als 220 Sportboot- und andere Häfen vermessen. Die Daten sind in über 650 Seevermessungskarten verarbeitet worden.
"Mit dem Ausscheiden der "Mercator"/"Bessel" verläßt das älteste Schiff unsere Vermessungsflotte", so BSH-Präsident Peter Ehlers bei der Verabschiedung vor der Besatzung, "gleichzeitig geht ein Abschnitt in der Seevermessung zu Ende, der noch zu DDR-Zeiten begonnen hat. Trotz moderner Technik, über die die Vermessungseinheit zum Schluß verfügte, war sie das letzte Bindeglied zwischen herkömmlicher und moderner Vermessung."
Einigen Besatzungsmitgliedern fällt der Abschied besonders schwer, denn sie sind von Anfang an an Bord gewesen. Die Nachfolgerin der "Mercator"/"Bessel", die im nächsten Jahr ihren Dienst aufnehmen soll, wird - wie alle BSH-Schiffe - mit den neuesten Geräten ausgerüstet sein. Die "Komet", Atair", "Wega" und "Deneb" des BSH gelten als die momentan modernsten Vermessungsschiffe weltweit.
  
Quelle: Pressemitteilung des BSH vom 16.11.2002
 
In eigener Sache: Suche für die Vermessungseinheit "MERCATOR"/"Bessel" oder nur AWS Projekt 412 Bilder für die Bildergalerie dieser Homepage. Wer helfen kann, der kontaktiert mich bitte über den Button E-Mail im Hauptmenü.

Copyright © 2009 Helfried Röder                                   Stand der letzten Bearbeitung: 22.01.2010 13:47 Uhr

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